Tourenberichte 2022

Barrhorn 3'610m / Schöllihorn3'500m

Samstag & Sonntag 30. & 31. Juli 2022


Leitung: Fernando Guntern

Teilnehmer: Wüest Thomas, Mielisch Arndt, Truffer Annika, Rigert Sarah, Kuster Katharina, Kuster Andrea, Biner Jeanine, Meuter Florian, Schwab Fabienne

 

Wasulicke, Barrhörner und Schöllihorn – 30./31.7.2022

 

Am frühen Nachmittag traf sich unsere bunt gemischte Gruppe aus zehn Bergzünftigen und Bergsportlichen in St Niklaus. Vorab zur Erklärung: Alle Bergzünftigen erkennbar an Wanderjacke, langen Tourenhosen und festen Bergschuhen comme il faut; die Bergsportlichen dagegen in T-Shirt, kurzen Hosen und Trailrunningschuhen – nicht übel für eine Tour, die im Chat mit T5 angekündigt war!  

 

Für den Weg zur Topalihütte wählten wir den schöneren der beiden Zustiege, nämlich ab der Bergstation Jungen.

Gut gelaunt durchquerten wir einen lichten Lärchenwald, passierten bald die Alp Jungtal, wo uns neben Braunvieh auch einige Freilandhühner grüssten (ja, die gibt es), bevor wir die Geröllhalden am Fusse des Junggletschers erreichten, der immerhin ansatzweise noch zu erkennen ist, wenngleich im Schmelzen begriffen und zunehmend von Steinlawinen verschüttet. Das letzte Stück des weiss-rot markiertes Aufstiegs zur Wasulicke erinnerte mit seinen langen Fixseilen und losem Geröll eher an Seilziehen als an Wandern, was dem Vorwärtsdrang der Truppe allerdings keinen Abbruch tat. Nach 2.5 Stunden standen wir auf der windigen Passhöhe (3113m). Die öde Hochgebirgslandschaft hier oben strahlt eine eine besondere Kraft aus. So weitläufig und einsam kann das Wallis sein! Für ein echtes Picknick fehlten die Zeit und die wärmende Sonne, denn auch die Wolken waren auf dem Vormarsch, und so ging es nach „nur kurz triichu“ auch schon weiter Richtung Topalihütte, diesem kubistischen Metallcontainer, der von der Wasulicke nur einen Katzensprung entfernt scheint, wären da nicht noch etliche Block- und Geröllfelder zu überwinden. 5 Stunden von Jungen bis hierher, meint das SAC Tourenportal, aber mit dem SAC Zermatt geht es auch in flotten und umso kurzweiligeren 4 Stunden.

 

So konnten wir auf der Terasse der Topalihütten noch ein Hütten-Panaché geniessen, bevor die Hüttenwarte zum Abendessen riefen. Im kleinen Gemeinschaftsraum mit seiner spektakulären Fensterfront zur Mattertal und der Mischabelgruppe fühlten wir uns schnell wohl. Ein Dankeschön an dieser Stelle den Hüttenwarten, die sich bis zur letzten Minuten auf wechselnde Teilnehmerzahlen eingestellt hatten. Am Ende passte es aber genau: Wir belegten das 10er-Zimmer bis auf die letzte Matratze.

 

Die Nacht erlebten wenigstens zwei von uns (darunter der Autor dieses Berichtes) als ruhig. Doch die Vorfreude auf den Tag schien auch den Rest der Gruppe zu beflügeln. Der morgendliche Himmel präsentierte sich wolkenlos und so erwischten uns schon kurz nach dem Verlassen der Hütte um 6 Uhr die ersten Sonnenstrahlen. Über neuerliches Geröll und leichtes Blockgelände stiegen wir einen Kamm hinauf zum Schölligletscher, wo für einige Momente Hochtourenstimmung aufkommen durfte. Diesen querend, erreichten wir schon bald den Einstieg des Klettersteigs zum Schöllijoch. Für den kurzen, steilen Übergang vom Eis zum Fels hatte Fernando vorausschauend einen Pickel mitgenommen, mit dem Florian für uns ein Dutzend Stufen schlug. Die himmelblaue Leiter und der kurze Klettersteig machten mächtig Spass, und gerne wären wir noch höher geklettert – doch da standen wir auch schon droben auf dem Schöllijoch (3340m).

 

Bei den drei umliegenden Gipfeln blieb nur noch die Qual der Wahl. Frage in die Runde: Mit welchem fangen wir an? Wen wundert’s, dass wir schlussendlich alle ‘mitnahmen’, und zwar in dieser Reihenfolge: Inners Barrhorn (3583m), Üssers Barrhorn (3610m) und Schöllihorn (3499m). Dabei sorgte die schattige Geröllflanke für so viel Abkühlung, dass selbst die Bergsportlichsten unter uns plötzlich ihre lange Hosen und Windwesten aus den Rucksäcken zogen. Auf dem höchsten Punkt gönnten wir uns so eine wohlverdiente Pause, bewunderten die Bergriesen in allen Richtungen, von den nördlichen Waliser Alpen (auf einigen Landkarten auch als Berner Alpen gekennzeichnet) über die Mischabel- und Monte Rosa-Massive, die mächtige Nordflanke des Weisshorns bis hin zum Grand Combin und Mont Blanc am westlichen Horizont. Gegen 11 Uhr hatten wir unsere Gipfelrunde beendet und standen wieder auf dem Schölliloch. Nun stiegen munter und gesprächig in westlicher Richtung ins Turtmanntal ab.

 

Cherry on the cake: unser „Schwarzwälder“-Stopp in der Turtmannhütte, die wir pünklich zum Mittag erreichten. Die cremige Spezialität des Hüttenwarts entpuppte sich als schmackhafte Lunch-Alternative und vertretbare Kalorienzufuhr nach den Höhenmetern der vergangenen beiden Tage (gut 2500 hoch und 1800 runter, im Überschlag gerechnet). Abschliessend wanderten wir in bester Laune und wieder mehrheitlich kurz-hosig hinunter nach Senntum im oberen Turtmanntal (nicht zu verwechseln mit ‚Turtmann Zentrum‘), von wo uns bald ein Sammeltaxi nach Visp hinunter bzw zurück ins Mattertal beförderte.

 

Was waren wir für eine super Truppe! Frisch, frech, fröhlich und mit einer guten Portion Witz flossen die Höhenmeter nur so dahin ...

 

Ein herzliches Dankeschön an Fernando, der an diesem Tourenwochenende trotz mancher Hindernisse festhielt (schlechte Bedingungen für die ursprünglich geplante Hochtour aufs Brunegghorn, kurzfristige Absage zweier Tourenleiterinnen und sehr diskussionsfreudige Chatteilnehmer...). Bis zur nächsten Tour!

 

Bericht: Arndt

Fotos: Alle (Leider nur eine kleine Auswahl aus 344 wirklich wunderschönen Fotos)


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