SAC Sektion Zermatt

Tourenbericht

Breithorn 4164m, 13. August 2016 → Fotos

map.geo.admin.ch

Leitung:
Valentin Jentsch
Seilschaft 1:
Valentin Jentsch, Herbert Volken, Emil Manser, Cedric Zengaffinen
Seilschaft 2:
Urs Lauber, Rita Perren, Beatrice Heinen, Benny Ruppen
Seilschaft 3:
Sven Friedli, Janine Biner, Alice Biner, Annette Steger
Seilschaft 4:
Gerald Höfert, Rouven Brigger, Phillip Heer

Den 13. gingen wir mit Valentin Jentsch durch’s Gebirg. Das Breithorn war unser Ziel, welches wir über die Normal­route bestiegen. Für die meisten Teil­nehmer unserer Expedi­tion war dies auch eine ganz normale Tour, doch nicht für mich: Es war meine erste. Da ich als Neu­mitglied den Auftrag erhielt, den Touren­bericht zu verfassen, versuche ich nun, das für mich so besondere Erlebnis aus eigener Perspek­tive wieder­zugeben.

Das Abenteuer beginnt

Treff­punkt war 8.00 Uhr bei der Tal­station des Matter­horn-Expresses. Dort kam ich etwas verfrüht an, erblickte aber bei den hölzernen Bänken vor der Station bereits drei Damen und einen Herrn in ähnlicher Montur wie meiner. Kurzer­hand gesellte ich mich zu ihnen und tatsäch­lich waren auch sie Mit­glieder des Alpen­klubs. Sie stellten sich freund­lich als Beatrice, Rita, Annette und Bernhard vor. Mit ihnen werde ich wohl Schritt halten können, dachte ich mir zuerst. Als ich aber ihren Gesprä­chen lauschte über Erleb­nisse auf Bergen, von denen ich hier nicht einmal fehler­frei die Namen nieder­schreiben könnte, stiegen erste Zweifel in mir auf. 
Mit der Zeit stiessen immer mehr Leute zu unserer Gruppe dazu, welche sich alle bereits zu kennen schienen. Sie waren zu mir und Emil, dem sympa­thischen Ost­schweizer, der an dem Tag auch seine erste Tour mit dem SAC ausführte, sehr freund­lich und begrüss­ten uns offen­herzig. Valentin Jentsch, der Touren­leiter, trat als letzter in unseren Kreis. Nun war es Zeit aufzu­brechen. Unsere 13-köpfige Gruppe nahm zwei Gondeln in ihren Besitz, wobei wir noch nicht einmal voll­zählig waren. Bei der Station Furi kamen zwei weitere Teilnehme­rinnen hinzu, die jungen Schwes­tern Janine und Alice Biner. Um sich an die dünne Luft auf dem Breithorn zu gewöhnen, ver­brachten diese die Nacht in ihrem Eltern­haus auf dem Furi. Endlich waren wir komplett und konnten die Fahrt auf das Kleine Matter­horn geniessen.

Der Aufstieg


Oben ange­kommen erwartete uns ein atembe­raubendes Panorama schnee­weisser Gipfel über­spannt von einem Himmels­zelt, dessen strahlend blaue Farbe ich kaum in Worte fassen kann. Nicht eine Wolke liess sich blicken, nicht ein laues Lüftchen störte uns hier oben! Als ich die Pracht der Natur verträumt auf mich einwirken liess, stellte ich mit Entsetzen fest, den Anschluss an die Gruppe verloren zu haben. So war ich froh, dass wir uns noch auf der Piste mit Seilen aneinander­banden. Als wir alle vier Seil­schaften gebildet haben, zogen wir los, um den Gletscher zu über­queren. Die heissen Strahlen der Sonne und die schier endlose Weite dieser Einöde erweckten in mir das Bild von unseren Seil­schaften als kleinen Karawanen, welche durch eine eisige Wüste zogen. Einzig die Einsam­keit der Wüste hatten wir zu missen, hunderte Alpinis­ten pilgerten an dem Tag auf das Breithorn. Wer kann es ihnen übel nehmen? Der Berg ist nah, die Verhält­nisse, ihn zu besteigen, perfekt. Am Fusse des Berges hielten wir kurz Rast, um die Stei­geisen zu montieren. Glücklicher­weise kontrol­lierte der jeweilige Seil­führer noch seine Truppe, denn prompt brachte ich es zu Stande, meine Stei­geisen verkehrt herum anzu­ziehen. Lächelnd tadelte mich Valentin einen Schluffi und stellte mich richtig in meine stache­ligen Schuhe. Auch der Routinier Urs Lauber entdeckte einige Unstimmig­keiten in meiner Aus­rüstung und wies mich freund­lich darauf hin. Es sei wichtig, so Lauber, solche Fehler von Beginn an auszu­merzen, damit sich keine schlech­ten Gewohn­heiten einnisten. 
Der Aufstieg erwies sich als kurz und bereitete dank der Stei­geisen keine weiteren Schwierig­keiten. Das letzte Stück bewäl­tigten wir auf dem Grat des Breit­horns. Als ich dabei meinen Blick auf den gut 2000 Meter tiefer liegenden Gorner­gletscher schweifen liess, gingen mir aber auf gut Walliser­deutsch „gehörig die Grimen“. Nach der Grat­wanderung erreich­ten wir unter gegen­seitigen Gratula­tionen den Gipfel des Breit­horns, meines ersten 4000ers. Lässig gab Urs Preis, bereits zum 159. Male auf dem Breithorn gewesen zu sein und als ich ihn am Tag darauf nochmals traf, war er schon wieder oben!

Der Abstieg

Nachdem wir die Aussicht auf die schneever­hüllten Dächer der Alpen und unsere Sand­wiches reichlich genossen haben, machten wir uns auf den Rückweg. Doch vorerst gab es noch ein kleines Gruppen­foto zur Erinnerung an die für mich ohnehin unver­gessliche Tour. Leider konnten wir dies nicht neben einem Gipfel­kreuz machen, da gar keines vorhanden war. Die Frei­denker scheinen vor uns oben gewesen zu sein! Beim Abstieg bekamen wir wieder hilf­reiche Instruk­tionen unserer Führer, so dass wir diesen problem­los durch­führen konnten. Auf meinen Steig­eisen kam ich mir vor wie eine kleine Eisenbahn, die mithilfe von Zahn­rädern sicher ins Tal fährt. An einem Engpass mussten wir mit mehreren italieni­schen Berg­gängern kreuzen, was diese zum Warten zwang. Einer von ihnen verlor die Geduld und stiess laut einen Fluch aus. Sind solche Spannun­gen die Konse­quenzen des Massen­tourismus? Diesen Gedanken nach­sinnierend über­querten wir rasch den Gletscher und fanden uns bei der Station wieder. Glücklich über die unfall­freie Hochgebirgs­tour fuhren wir mit der Bahn vom Kleinen Matter­horn hinab ins Kleine Matter­horn, ein Restau­rant in Zermatt. Müde aber zufrieden stiessen wir da auf unsere erste, dreissig­ste oder hundert­neunund­fünfzig­ste Breit­horn­bestei­gung an.

Nebenbei

Der Erbauer und erfolg­reiche Leiter des Hotel des Alpes, Ignaz Biner (1833-1917), galt vor Gästen und Einhei­mischen als ange­sehener Berg­führer. Zahl­reiche Gipfel hat er im In- und Ausland bezwungen, dazu zählen auch 300 Bestei­gungen des Breit­horns. Dies verlieh ihm den Spitz­namen Breithorn-Biner. Wird man auch Urs eines Tages den Breithorn-Lauber nennen?

Bericht: Cedric
Fotos: Valentin