SAC Sektion Zermatt

Tourenbericht

Wanderung Seehorn 2439m, 24. September 2015 → Fotos

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Leitung:
Edi Biner
Teilnehmer:
Martin Siegwart, Beatrice Heinen, Heidi Perren, Rita Perren, Deli Stiegler, Regula Julen, Fränzi Tscherrig, Philippe Barman

Die vorgesehene zwei­tägige Wanderung auf die Dents du Midi musste infolge schlechten Wetters und zuviel Schnees abgesagt werden. Als Ersatz in Frage kamen das Folluhoru oberhalb Rosswald oder das Seehorn jenseits des Simplon­passes. Sollte es auch auf dem Folluhoru zuviel Schnee haben, bliebe uns immer noch das Seehorn, da südlich des Simplon­passes zur Zeit bestimmt kein Schnee liegen würde. Schliess­lich fiel die Wahl auch aufs Seehorn.


Jetzt aber konnten wir die Wanderung bei herr­lichstem Wetter antreten. Deli und ich waren die einzigen beiden aus der Üsser­schwyz Ange­reisten. Auf dem Parkplatz beim Bahnhof Visp wurden wir denn auch herzlich von Edi und den anderen aus Zermatt bewill­kommt.

In rassigem Tempo gings die Simplon­strasse hoch, über den eleganten Ganter­viadukt der Passhöhe entgegen. Bei einer Baustelle in einer der zahl­reichen Lawinen­schutz­gallerien mussten wir ziemlich lange warten: Die Stützen der Gallerien erhalten einen dickeren Beton­mantel zum besseren Schutze der Armierungs­eisen und teilweise auch noch zusätz­liche Stahl­beweh­rungen, was eine auf­wändige und Platz benöti­gende Angele­genheit ist. Daher geht es nicht ohne Einbahn­verkehr. Die Bauwerke müssen unbedingt halten und dauerfest sein, wenn der Simplon­pass ganz­jährig befahrbar sein soll. Eindrück­lich waren für mich sodann die Riesen­wände der Gondo­schlucht.

Als Gondo selbst in Sicht kam, wurde ich unmittel­bar an die Murgang­kata­strophe im Jahre 2000 erinnert. Die Erdmassen hatten damals einen ganzen Dorfteil weg­gerissen und in die hoch­gehende Doveria geschwemmt. 13 Menschen mussten dabei ihr Leben lassen. Heute sind die Schäden behoben. Kurz vor der Zoll­station befindet sich die Ab­zweigung nach Zwisch­bergen. Nach der Über­querung der Doveria windet sich das asphal­tierte Sträss­chen in engen Kehren auf dem Gondo gegen­überlie­genden Talhang hoch, um schliess­lich ins Zwischber­gental einzu­biegen. Vorbei an einem Stauwehr und einem Gasthaus brachte uns dieses Sträss­chen immer höher.



An einem grösseren Ausstell­platz stiegen wir aus und machten uns für die Wanderung bereit. Wir befanden uns auf gut 1600m Meeres­höhe. Zunächst führte uns der Pfad einige Windungen hinunter, dann in lust­vollem Auf- und Ab, kleine Bäche über­querend durch lichten Lärchen­wald. Über den Baum­wipfeln ein tief­blauer Himmel! So erreich­ten wir nach einiger Zeit den bekannten Stockalpe­rweg. In mässiger Steigung brachte uns dieser hoch zur „Furggu“ (1872m), dem Übergang von Zwisch­bergen nach Gabi. Linker­hand bemerkte ich anmutige Alpweiden mit den zuge­hörigen Senn­hütten. Auf der Furggu aber empfing uns ein schnei­dend kalter Wind. Die meisten von uns flüch­teten sich hinter ein Betonhäuschen, um die Zwischen­verpfle­gung einnehmen zu können.

Auf hübschem mit Heidel­beer­sträu­chern gesäumten Pfad schritten wir anschlies­send durch den herr­lichen Lärchen­wald der Baum­grenze entgegen. Auf einem Plateau befindet sich ein kleiner See, der dem oberhalb liegenden Berg den Namen gab. Heidi war fest mit Foto­grafieren beschäf­tigt. Es mussten ja auch Aufnahmen für diesen Bericht her! Als ich mich umdrehte, wusste ich auch, weshalb sie so eifrig war: Der kleine Bergsee, dahinter der Lärchen­wald und im Hinter­grund das oben tief­verschnei­te Drei­gestirn Fletsch­horn-Laggin­horn-Weissmies – welch ein schönes Bild, an welchem sich das Auge erfreute: Dies eignete sich als guten Hinter­grund für Gruppen­aufnahmen.


Nach einiger Zeit war unser Ziel erreicht. Ein grosser Sendemast und eine Helikopter­lande-Plattform auf einem Berge sind zwar keine Zier, aber dafür bot uns das dazuge­hörende Sendehaus guten Schutz vor dem auch hier stark blasenden Wind. Genüss­lich verzehr­ten wir an der Sonne sitzend unseren Proviant. Heidi packte zwei grosse Rüebli aus. Genau das hatte ich vergessen: So ein Rüebli auf einer Bergtour ist etwas Feines. Die Berge im Norden des Simplon­passes waren heute tief verschneit, als wir hoch­fuhren. Auf der Südseite und östlich des Reiches der Vier­tausender wie abge­schnitten kein Schnee! Zudem ist das Wallis hier ein ganz anderes, als das, was man sich sonsthin so gewohnt ist. Die Gegend hat einen südlichen Teint. Edi kannte sich hier aus und wies uns auf diverse Berg­gipfel und Furggis hin, welche wir er­blickten. Kurz vor dem Abstieg entdeckte ich weit im Osten ein hohes, ver­schneites Gebirge. Ob es wohl das Bernina-Massiv ist? Leider konnte ich an keinem der Gipfel einen Bianco­grat ausmachen, sonst hätte ich es mit Bestimmt­heit gewusst. Edi vermutete dasselbe wie ich: Bernina-Gruppe.

Mit einem erfri­schenden Trunk liessen wir später den schönen Tag in einem der Beizli von Simplon-Dorf aus­klingen. Ebenso herzlich wie der Empfang war der Abschied in Visp. Vielen Dank dir Edi für deine umsich­tige Führung. Es war ein unvergess­licher Tag, auch wenn wir nicht auf einem Drei­tausender gestanden sind. Ich komme gerne wieder einmal mit dir und mit euch anderen.

Bericht: Martin
Fotos: Heidi