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SAC Sektion Zermatt
Wanderbericht
Rund um Zermatt, 29. August - 3. September 2004
Wanderleiter: Priska Thalmann
Teilnehmer: Edy Biner, Helmut und Ilona Huth, Rainer und Ulrike Neudecker,
Sonja Tscherrig, Sepp Tschurtschenthaler, Franz Suter, Regula Jordi
«Da führt ihr die Menschen durch viele, lange und anstrengende Täler rund um die
Monte Rosa, aber die imposantesten Berge in großer Vielfalt sehen sie doch hier bei eurer
Tour rund um Zermatt.»
Gervas, der Hüttenwirt der Gandegghütte, hat es auf den Punkt gebracht.
Nach 20 Jahren Bergwandern mit dem SAC ist auch dies der bleibende Eindruck unserer
diesjährigen Tour. Freilich hat hier auch das Wetter mitgespielt, denn wann haben
wir schon im Laufe einer Woche nicht ein Mal die Regenkleidung auspacken müssen?
Sonntag
Bei noch kühlen Morgentemperaturen ging es von Sunnegga auf einem Stück des
Europaweges talauswärts, vorbei an den Hütten von Tuftern Richtung Täsch. Auf den Lawinenverbauungen
im Täschwäng tummelten sich eine Menge Gämsen und wir konnten
verstehen, warum im Winter oftmals die Straße in der Tiefe gesperrt werden muss. Über
die untere Sattla gelangten wir zur Täschalpe, wo wir schon von Ferne Sonja winken
konnten, die hier direkt von ihrem Heimatdorf zu uns stieß. Ohne Halt ging es weiter taleinwärts,
Richtung Pfulwe war es noch ein ganzes Stück.
Da sich der Himmel mittlerweile etwas bezogen hatte, blieb es auch bei unserem
Picknick im Freien recht kühl, was uns aber bei den 900 Höhenmetern Aufstieg nur recht
war. Auf dem letzten Stück, dem Minigletscher vor dem Pass, gab es etwas Wegprobleme:
Rechte oder linke Seite? In jedem Fall wurde es zwischen den Felsblöcken und dem Moränenschutt
etwas rutschig. Hätten wir hier schon unsere Steigeisen dabei gehabt, wären
wir schneller oben gewesen. Aber auch so erreichten wir den Pass, wenn auch mit leichten
Blessuren, zum Glück war unser Sammariter Sepp mit von der Partie und konnte Erste
Hilfe leisten.
Beim einstündigen Abstieg hinunter zur Fluhalp verriet uns Priska, dass uns einheimische
Bergführer diese Etappe für den ersten Tag nicht zugetraut hätten. Nach der Dusche
auf der Fluhalp und bei bester Verpflegung waren die Strapazen aber bald vergessen.
Montag
Trotz leichten Regenschauers in der Nacht präsentierte sich der nächste Morgen wolkenlos,
und wir konnten bei noch kühlen Temperaturen den höchsten wanderbaren Berg
Europas, das 3415m hohe Oberrothorn in Angriff nehmen. Ohne Gepäck ging es zunächst
die uns bekannte Skipiste hinauf, dann in abwechslungsreichen Etappen auf dem "Planetenweg"
mit immer wieder interessanten Zwischenstopps bis auf den Gipfel. Wir waren
hier die ersten an diesem Tag und der ganze Zermatter Talkessel lag zu unseren Füßen.
Später, als wir bei unserem Abstieg andere Gruppen hinaufkeuchen sahen, waren wir froh
über unseren frühen Start, denn jetzt heizte die Sonne doch ziemlich ein.
Das Mittagessen auf der Terrasse der Fluhalp mit Käseschnitten oder Rösti, Fendant
oder Cardinal war für alle ein Genuß. Die Mittagspause zum Zweck der Verdauung erfolgte
dann nach kurzem Zwischenweg und Querung des Findelngletschers im Findeln-
Triftji, hier waren jetzt Füßebaden im frischen Wasser und Mittagsschlaf in angenehm
warmer Sonne angesagt. Wir konnten uns richtig erholen, denn zu unserem Tagesziel,
dem Hotel Grünsee, war es nur noch eine Stunde gemütlich bergab.
Dienstag
Im Hotel Grünsee waren wir diese Nacht fast allein gewesen. Nur Arbeiter wohnten
noch dort, so daß wir die Aufgabe bekamen abends das Licht zu löschen.
Am Dienstagmorgen hatten wir die falsche Etappe gewählt.Wir gingen in dichter
"Suppe" durch den Riffelwald, vorbei am
neuen Hotel Riffelalp bis gegen Furri auf
fast 2000m hinunter, die Nebelgrenze lag
jedoch bei 3000m, darüber war strahlender,
wolkenfreier Himmel.
Auch unser Aufstieg bis zur Gandegghütte
lag damit vollständig im Nebel.
Priska versuchte zwar immer wieder
telefonisch die Nebelgrenze zu orten,
aber verschieben konnte sie sie nicht, wir
mußten durch. So stiegen wir, leider ohne
jede Sicht, streckenweise über die Furgg-
Furri-Piste bis zur sommerverlassenen
Station Furgg und weiter auf dem Wanderweg
über die "Lichenbretter" Richtung
Gandegghütte. Auch unser Picknick
fand noch in kühlem Nebel statt, so daß
wir es nicht so sehr ausdehnten.
Beim Empfangsdrink auf der Gandegghütte
merkten wir aber schon, daß
die Wolkenschicht immer dünner wurde.
Die Sonne wärmte langsam, so daß wir
im Freien sitzen konnten.
Der Bezug des neuen Lagers mit Panoramablick über die gesamten Gletscherberge
von Breithorn bis Allalin war die Attraktion des Tages. Wir glaubten in eine Hütte mit EHeizung
zu kommen, so heizte die Sonne durch das große Fenster. Als dann der frische
Salat nach einem vollständigen Wolkenaufriß noch per Heli eingeflogen wurde, war auch
unser Verpflegungsglück perfekt.
Nachdem am späteren Abend der Himmel ganz aufklarte, präsentierten sich alle
Viertausender im Abendlicht, so daß dieser Tag trotz anfänglichen Nebels als positiv gebucht
werden muß. Erwähnenswert bleibt noch die Nacht: Jeder, der im Lager nicht schlafen
konnte, wurde mit einem traumhaften Vollmond-Viertausender-Panorama, sichtbar direkt
aus dem Bett, belohnt.
Mittwoch
An diesem Tag leisteten wir uns auf Empfehlung des Hüttenwarts Gervas eine Variante,
die sich gelohnt hatte. Statt hinunter nach Furgg zu laufen und wieder hinauf zum
Schwarzsee zu steigen, querten wir den oberen Theodulgletscher und gelangten über die
Matterhornpiste und über einige Seitenmoränen direkt unter die Matterhorn-Ostwand.
Von hier ging es ohne größeren Höhenverlust direkt hinauf zum Hüttenweg Richtung
Hörnlihütte.
Nach dem Picknick im Freien und Rucksack-Depot nahmen wir diesen unter die
Füße. Bei wolkenlosem, strahlendem Wetter gelangten wir problemlos zur Hörnlihütte
und gingen noch weiter direkt bis zum Einstieg und Anseilplatz am Hörnligrat.
Nach dem Mittagessen auf der Terrasse der Hörnlihütte war der Abstieg nach
Schwarzsee kein Problem mehr und wir konnten am Nachmittag, nachdem sich die
Menge der Touristen verflüchtigt hatte, gemütlich auf der Schwarzsee-Terrasse ein Bier
"zischen" lassen.
Auch hier wurden wir wieder dank Priskas Connections wie alte Freunde empfangen
und vorzüglich bewirtet.
Donnerstag
Über das Wetter mußte auch für den Rest der Tour nichts gesagt werden: Es blieb optimal!
Von Schwarzsee ging es hinunter zur Stafelalp und über Stafel mit 500m Anstieg zur
Hohbalm. Hier fanden wir einen wunderschönen Picknickplatz, bevor wir auf den Höhenweg
Richtung Trift kamen. Das gesamte Panorama von Zermatt begeisterte uns wieder
aus anderen Perspektiven. Vor Trift kam der Tiefblick auf das Dorf hinzu.
Einige unternahmen noch einen Abstecher auf den "Hüenerchnubel", so daß wir
nacheinander im Hotel du Trift einliefen. Hugo erwartete uns schon und begrüßte die
zweite Gruppe mit einem Alphornsolo. Wir hatten hier genug Zeit, um unsere Füße im
Bach zu baden und Wäsche zu trocknen. Am Abend erhielten wir Besuch aus dem Dorf
von Leo, der aber nicht übernachten wollte und bei Dunkelheit und Regen den Rückweg
antrat.
Bevor wir schlafen gingen, beobachteten wir noch aus dem Fenster eine Heli-Rettung.
Wie wir später erfuhren wurde ein Arzt zur Rothornhütte geflogen und einige Touristen
später nach Heli-Bergung ins Dorf gebracht.
Freitag
Der Regen war wieder nur ein nächtliches Intermezzo. Planmäßig starteten wir früh
und stiegen bei frischen Morgentemperaturen zügig Richtung Mettelhorn zur Triftkumme
empor.
Zwei junge Damen, die Hüttenwirtin und ihre Freundin, überholten uns wie Gämsen
und erreichten noch vor uns den Gipfel. Wir legten auf dem Hohliechtgletscher brav unsere
Steigeisen an, deren Organisation für diverse Beteiligte viel Mühe gemacht hatte.
So stiegen wir sicher zum Gipfelaufbau und erreichten auch bald unser Ziel. Sonja
war besonders stolz und zufrieden ihr Heimatdorf Täsch aus so großer Höhe sehen zu können.
Nach ausgiebiger Gipfelrast stiegen wir zügig ab, denn einige hatten an diesem Tag
noch weite Heimwege.
Zunächst wurden wir jedoch nach Ankunft im "Hotel du Trift" noch einmal vorzüglich
von Hugo und seinem Team bewirtet. Nach Abschied und Aufbruch vom Trift ging es
rasch hinunter, vorbei am "Hotel Edelweiß" Richtung Dorf und schon auf dem Abstiegsweg
folgte eine Verabschiedung nach der anderen: jeder strebte seinem Heimatziel zu.
Wir danken Priska für ihre vorzügliche Planung und Organisation sowie allen Hüttenwirten
von Zermatt, die uns vorzüglich aufgenommen und bewirtet haben.
Die diesjährige Tour wird uns als absolutes Highlight im Rahmen von 20 Jahren
Bergwandern mit dem SAC Zermatt in Erinnerung bleiben.
Bericht: Ulrike Neudecker
Fotos: Rainer Neudecker
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